Olivenöl verkosten lernen: So gehen Profis vor

Wie führt man richtig eine Olivenölverkostung durch? Hier erfährst du, worauf du achten musst.

Von Jens 4 Min Lesezeit

in einem mediterranen Setting riecht ein Mann an einem Glas mit Olivenöl, vor ihm steht ein Kurg mit frischem Öl und eine Schale mit frischen Oliven in einem mediterranen Setting riecht ein Mann an einem Glas mit Olivenöl, vor ihm steht ein Kurg mit frischem Öl und eine Schale mit frischen Oliven

Gutes Olivenöl zu erkennen, ist gar nicht so einfach. Weder Preis noch Etikett verraten dir sofort, ob sich in der Flasche wirklich hochwertige Qualität verbirgt. Natürlich geben Herkunft, Olivensorte oder Erntezeit erste Hinweise. Doch professionelle Verkoster wissen: Wirklich beurteilen lässt sich ein Olivenöl erst beim Verkosten.

Genau deshalb lernen Olivenöl-Sommeliers in Seminaren vor allem eines: bewusst zu riechen, zu schmecken und Unterschiede wahrzunehmen. Die gute Nachricht: Dafür brauchst du kein Profi zu sein. Schon mit ein paar einfachen Grundlagen kannst du lernen, hochwertiges Olivenöl besser zu erkennen — und plötzlich Aromen entdecken, die du vorher nie bewusst wahrgenommen hast.

Was lernt man in einem Olivenölseminar?

Viele Menschen denken beim ersten Tasting: „Olivenöl schmeckt eben nach Olivenöl.“ Doch schon nach den ersten Verkostungen merken die meisten, wie unterschiedlich hochwertige Öle sein können. Manche erinnern an:

  • frisch geschnittenes Gras,
  • grüne Tomaten,
  • Kräuter,
  • Artischocke,
  • Mandel
  • oder sogar grüne Banane.

In professionellen Seminaren geht es deshalb nicht darum, sofort alles perfekt zu erkennen. Viel wichtiger ist es, die eigenen Sinne zu schulen und Aromen überhaupt benennen zu lernen. Mit jeder Verkostung wird das leichter.

Ein Glas Olivenöl steht auf einer Steinplatte umringt von frischen Kräutern, grünen Bananen, grünen Tomaten, Mandeln, einer Artischoke und einer Schale mit grünen Oliven

Frische ist entscheidend

Ein Punkt überrascht viele Anfänger besonders: Hochwertiges Olivenöl sollte möglichst frisch sein. Denn anders als Wein wird Olivenöl mit der Zeit normalerweise nicht besser. Frische Öle besitzen deutlich lebendigere Aromen, mehr Kräuternoten und oft auch die typische pfeffrige Schärfe. Mit zunehmendem Alter verliert ein Öl dagegen an Intensität und wirkt häufig flacher oder stumpfer. Deshalb achten professionelle Verkoster immer auch auf:

  • das Erntejahr,
  • die Lagerung
  • und die Frische des Öls
Grafik, auf gelbem Hintergrund steht: Je frischer, desto besser. Daneben erscheint ein freigestelltes Schälchen mit Oliven.

Der erste wichtige Unterschied: mild oder intensiv?

Viele Menschen glauben, ein mildes Olivenöl sei automatisch hochwertiger. Professionelle Verkoster lernen allerdings schnell das Gegenteil: Ein gutes Olivenöl darf Charakter haben. Vor allem zwei Eigenschaften gelten als Qualitätsmerkmal:

  • Bitterkeit
  • Schärfe

Beides zeigt häufig, dass das Öl besonders frisch ist und viele natürliche Pflanzenstoffe enthält. Diese sogenannten Polyphenole schützen die Olive auf natürliche Weise und sorgen gleichzeitig für die typische Bitterkeit und Schärfe hochwertiger Öle. Ein hochwertiges Olivenöl darf deshalb ruhig leicht bitter, grasig oder angenehm pfeffrig schmecken.

Schritt 1: Das Olivenöl riechen

Bei professionellen Verkostungen beginnt alles mit dem Duft. Gib etwa einen Esslöffel Olivenöl in ein kleines Glas und wärme es leicht mit der Hand an. Durch die Wärme entfalten sich die Aromen besser. Rieche nun bewusst am Öl: Wirkt es frisch und lebendig? Oder eher flach und dumpf? Je klarer die Aromen wahrnehmbar sind, desto hochwertiger ist meist auch das Öl.

Der Mann setzt das Glas mit dem Olivenöl an die Lippen und setzt zum trinken an.

Schritt 2: Das Öl richtig probieren

Nun probierst du das Olivenöl. Verteile es im Mund und ziehe vorsichtig etwas Luft ein. Diese Technik wirkt zunächst ungewohnt, hilft aber dabei, die Aromen intensiver wahrzunehmen. Jetzt achten professionelle Verkoster vor allem auf drei Eigenschaften:

Fruchtigkeit

Die Fruchtigkeit beschreibt die Intensität der frischen Olivenaromen. Dabei bedeutet „fruchtig“ nicht süß. Gemeint ist vielmehr, wie aromatisch und lebendig das Öl wirkt.Man unterscheidet: leicht fruchtig, mittelfruchtig und intensiv fruchtig. Mild-fruchtige Öle wirken weich und harmonisch. Intensiv-fruchtige Öle besitzen kräftige grüne Aromen und oft deutlich mehr Bitterkeit und Schärfe.

Bitterkeit

Eine leichte Bitterkeit ist bei hochwertigem Olivenöl ausdrücklich erwünscht. Sie erinnert oft an Kräuter, Artischocke oder grüne Walnüsse und stammt von natürlichen Pflanzenstoffen der Olive.

Schärfe

Das leichte Kratzen oder Pfeffrige im Hals ist ebenfalls ein positives Zeichen. Interessant dabei: Hochwertige Olivenöle entwickeln ihre Schärfe oft erst einige Sekunden später im Hals. Genau diese zeitversetzte Schärfe gilt bei frischen Ölen als typisches Qualitätsmerkmal.

Was Profis sofort erkennen

In Verkosterseminaren lernt man nicht nur positive Aromen kennen, sondern auch typische Fehler. Ein Olivenöl sollte niemals: ranzig, muffig, modrig, essigartig oder abgestanden schmecken. Solche Fehlnoten entstehen meist durch schlechte Oliven, falsche Lagerung oder Oxidation.

Warum die Farbe kaum eine Rolle spielt

Überraschend für viele: Bei professionellen Olivenölverkostungen spielt die Farbe nur eine Nebenrolle. Deshalb werden Verkostungsgläser oft sogar abgedeckt oder aus dunkelblauem Glas verwendet. So konzentriert man sich ausschließlich auf Geruch und Geschmack. Die grüne Farbe eines Olivenöls stammt vom Chlorophyll der Olive. Mit der Zeit verändert sich dieser Farbstoff durch Oxidation und das Öl wird goldgelber.

Frische Öle wirken deshalb häufig hellgrün, grün-gelb oder kräftig grün. Allerdings beeinflussen auch Olivensorte, Reifegrad und die Nährstoffe im Boden die Farbe eines Öls. Ein besonders grünes Olivenöl ist also nicht automatisch besser als ein goldgelbes.

So trainierst du deinen Geschmack zuhause

Am besten lernst du Olivenöl durch direkten Vergleich. Probiere einmal: ein mildes Öl undein intensiv-fruchtiges Öl nebeneinander. Neutralisiere deinen Geschmack zwischendurch immer mit Wasser. Ein Stück Apfel hilft zusätzlich dabei, die Aromen besser voneinander zu unterscheiden.

Wenn du verschiedene Stilrichtungen vergleichen möchtest, orientiere dich gern an einem Aromarad. Damit kannst du Geschmacksnuancen leichter einordnen und deine Wahrnehmung Schritt für Schritt schulen.

Grafik eines Aromarads zum Olivenöl verkosten

 

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Jens Depenau
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